Winnipeg hat etwas an sich, was die kreative Ader vieler Menschen anspricht. Inzwischen gilt die Stadt in Manitoba als Brutstätte für aufstrebende Künstler und Designer. Hier können Besucher getrost einen Bogen um die großen Ketten machen und stattdessen wirklich originelle Dinge sehen, schmecken und erleben.

 

Wenn ihr genug davon habt, immer nur das typische Programm zu fahren, dann verbringt doch mal ein Wochenende in Winnipeg.

 

Tag 1: Altes Design und neue Designer

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Der Exchange District umfasst rund 30 Häuserblocks am Nordende von Winnipegs Downtown. Hier treten Wachstum und Wandel der Stadt deutlicher als andernorts zutage – was auf gewisse Weise schon wieder lustig ist, weil die Gegend sehr geschichtsträchtig ist. The Exchange zählt nämlich zu den größten und am besten erhaltenen Sammlungen denkmalgeschützter Gebäude in ganz Nordamerika. Hier steht soviel Architektur aus dem frühen 20. Jahrhundert herum, dass jedem Designfan das Herz aufgehen sollte. Und dennoch handelt es sich hier nicht um ein staubiges Museum – die alten Gebäude sind bis unters Dach gefüllt mit neuen Dingen, mit neuen Restaurants, neuen Nachtclubs und natürlich neuen Designern.

 

Im Exchange District findet sich auch die auf Damenmode spezialisierte Boutique Lennard Taylor. Lennard entwirft jedes Stück mit viel Muße und konzentriert sich dabei sehr auf Details und Materialien. Das Ergebnis sind raffinierte Kleider, Jacketts und andere Modeartikel, mit denen ihr euch nur zu gerne die Koffer füllen werdet.

Liegen die Haare mal wieder nicht? Dann empfehlen wir einen Boxenstopp beim Old Hat. Der Ein-Mann-Hutmacherbetrieb setzt auf recycelte oder Secondhand-Stoffe, es kommen auch schon mal Kunststoffe von Eiscremebehältern zum Einsatz. Das Ergebnis ist ein Traum, den man sich gerne aufsetzt.

Old Hat teilt sich ein Stockwerk mit Commonwealth Manufacturing, wo maßgeschneiderte Herrenhemden produziert werden. Auf der Suche nach einem neuen Hemd für die Arbeit oder einem schönen Flanellhemd? Der Eigentümer, Andrew, führt euch liebend gerne herum.

 

Und das war nur ein Auszug aus dem Bekleidungsangebot. Da wäre noch Indigo Arrows, wo Möbel, Kissen und Drucke mit traditionellen Mustern der Ureinwohner verkauft werden. Lederartikel und Ledertaschen gibt es bei Wilder Goods; Schmuck bei Tara Davis Studio Boutique oder dconstruct. Und dann ist da ja auch noch das Essen... 

 

Wir wissen: Im Zeitalter der sozialen Medien spielen Ästhetik und Design eine immer wichtigere Rolle bei den kulinarischen Dingen. Das Auge isst mit, heißt die alte Binsenwahrheit, und die unglaublichen Leckereien, die im Exchange District produziert werden, gehen tatsächlich auch optisch als Highlight durch.

Für das Frühstück heißt die Empfehlung Clementine Cafe. Hier werden Klassiker kreativ überarbeitet. Es gibt beispielsweise türkische Eier mit Hummus und Sauerteig oder Porridge mit Ananasbutter und Cashewnüssen. Zum Lunch geht es ins King + Bannatyne. Dort werden unfassbare Sandwiches serviert. Für das River City Brisket beispielsweise wird ein Bruststück vom Rind sieben Tage lang in Sole gelegt. Auch das BLT-Sandwich mit langsam geschmorten Lamm, hausgemachter Tomatenmarmelade und Knoblauch-Aioli lässt einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Wer abends noch einmal Appetit verspürt, geht ins deer + almond, eine perfekte Anlaufstelle für ein gemütliches, köstliches Dinner. Hier können die Portionen geteilt werden, so dass jeder von allem probieren kann. Empfehlenswert: Die Rinderbäckchen mit Krabbensauce oder die Ricotta-Cannelloni mit gegrilltem Grünkohl. Design, wie wir es mögen!

 

Tag 2: Architektur vom Feinsten

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Geht bei schöner Architektur der Griff sofort zur Kamera? In Winnipeg wartet eines der faszinierendsten Gebäude von ganz Kanada – das kanadische Menschenrechtsmuseum. Das Gebäude mit seinen unglaublichen Kurven ist nicht zu übersehen, es überragt wie ein Leuchtfeuer aus Stahl und Glas den Red River. 1669 Glasscheiben sind im Museum verbaut worden, wodurch es ein wunderschönes Äußeres hat und gleichzeitig im Gebäude selbst das Licht frei entlang der einzigartigen Pfade fließen kann. Aber natürlich kommen Besucher nicht nur wegen der atemberaubenden Architektur her. Das Museum beherbergt zehn Ausstellungen mit beeindruckenden Sammlungen zu Menschenrechten. Es ist den Eintritt allemal wert.

Vom Museum aus ist es nicht weit zum Regierungsgebäude. Wie so viele staatliche Gebäude weist auch dieses Säulen auf, einen Giebel und eine große Kuppel. Doch hinter dem klassischen Stil verbirgt sich eine dunkle Seite, denn über das ganze Gebäude verteilt könnt ihr hier Hieroglyphen, Symbole der Freimaurer, Zahlencodes und andere mysteriöse Dinge entdecken. Was steckt hinter den Verbindungen zum Okkulten, den Sphinxen und den uralten Tempeln? Das zeigt die Hermetic Code Tour, bei der der Historiker Dr. Frank Albo alle Geheimnisse enthüllt. Albo entschlüsselt die einzigartigen Codes, die in diesem Gebäude versteckt sind und führt zum Schluss die geheimnisvollen Kräfte vor, über die das Gebäude verfügt. Sehr mysteriös, das Ganze.

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Zum Abschluss der Architektur-Tour geht es zur Prägeanstalt, etwas außerhalb Downtowns. Dort steht wie eine große, reflektierende Glaspyramide die Königliche Kanadische Münze. Wer seinen Blick vom Gebäude selbst losreißen kann, der sollte sich einer Tour durch die Prägeanstalt anschließen. Hier sind unter anderem ein Goldbarren im Wert von 600.000 Dollar und Goldmedaillen der Winter-Olympiade in Vancouver ausgestellt, die hier gefertigt wurden. Die Münzanstalt ist der perfekte Ort, das Design-Wochenende abzuschließen, denn hier in Winnipeg wird jede einzelne Münze hergestellt, die in Kanada im Umlauf ist. Außerdem arbeitet die Prägeanstalt noch für mehr als 70 weitere Länder.

Canadian Museum of Human Rights

  • Öffnungszeiten: täglich 10 bis 17 Uhr, mittwochs 10 bis 21 Uhr.
  • Eintritt: rund 12 Euro.

 

Hermetic Code Tour

  • Öffnungszeiten: Touren beginnen mittwochs um 18 Uhr und gehen bis 19.45 Uhr. Es empfiehlt sich zu reservieren. Den Sommer über werden an den anderen Wochentagen in der Manitoba Legislature auch reguläre, stündlich stattfindende Führungen angeboten.
  • Eintritt: rund 30 Euro.

 

The Royal Canadian Mint

  • Öffnungszeiten: Führungen finden täglich von 9 Uhr bis 16 Uhr statt. Um garantiert einen Platz zu bekommen, empfiehlt es sich zu reservieren.
  • Eintritt: rund 3 Euro.

 

Was ihr in Winnipeg noch gesehen haben solltet

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Museen

Das kanadische Museum für Menschenrechte wird zurecht mit Lob überschüttet, aber die Stadt verfügt über diverse weitere Museen, die absolut einen Besuch wert sind. Das Manitoba Museum ist das größte Museum in Winnipeg. In neun Dauerausstellungen wird unter anderem eine frühzeitliche Bisonjagd nachgestellt und es gibt den Nachbau eines Schiffs aus dem 17. Jahrhundert in Originalgröße zu bewundern. Im Planetarium könnt ihr euch den aktuellen Nachthimmel ansehen – ein Anblick, den ihr so schnell nicht wieder vergessen werdet. Wer lieber Kunst statt Geschichte will: Die Sammlung der Winnipeg Art Gallery (WAG) umfasst mehr als 27.000 Stücke aus allen Zeitaltern und Kunstformen, von griechischen Statuen über Renaissance-Gemälde bis hin zu moderner Fotokunst. Gleichzeitig sind hier wichtige Stücke kanadischer Kunst ausgestellt sowie die weltgrößte Sammlung zeitgenössischer Inuit-Kunst.

Tierbeobachtungen

Bei Tieren und Manitoba denken die meisten Leute sofort an die „Eisbärenhauptstadt“ Churchill, aber das Tierleben von Winnipeg muss sich wahrlich nicht verstecken. Im Assiniboine Park Zoo leben auf 80 Hektar rund 1.500 Tiere. Der Zoo liegt nur wenige Minuten von der Innenstadt entfernt und lädt mit seiner Artenvielfalt zu einer Reise über die Kontinente ein. Es gibt hier Reptilien, Vögel, Fische, Säugetiere und praktisch alles, was sonst so kreucht und fleucht. Ein echtes Highlight ist die Journey to Churchill. Bei der Sea Ice Passage gehen Besucher durch einen Unterwassertunnel und sehen um sich herum die Eisbären schwimmen und spielen. Ebenfalls einen Besuch wert ist FortWhyte Alive, eine städtische Wildnis. Auf 640 Hektar könnt ihr hier beispielsweise auf Bison-Safari gehen und euch die XXL-Zottel aus nächster Nähe ansehen. Ansonsten leben hier auch Weißwedelhirsche, Reptilien, Moschusratten und mehr als 160 Vogelarten. Es werden Outdoor-Aktivitäten und kulturelle und historische Ausstellungen angeboten, es gibt einen Bauernhof, ein Restaurant und noch viel mehr.

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