Neufundland und Labrador sind eine Region mit Seele. Der Atlantische Ozean hat hier ebenso seine Spuren hinterlassen wie die Traditionen und die Entbehrungen, die die Einwohner erlitten haben. Dieses Land macht den Besucher sprachlos mit seiner natürlichen Schönheit, den beeindruckenden zerklüfteten Klippen, den juwelenfarbenen Saltbox-Häusern und den abgelegenen Fischerdörfern, in denen die Menschen noch eng zusammenstehen. In Neufundland lebt ein zäher Menschenschlag, geprägt von unerschütterlichem Optimismus. Die Einwohner sind immer dabei, wenn es etwas zu lachen oder zu feiern gibt. Dann packen sie die Fideln aus und natürlich wird auch getanzt. So großzügige Gastgeber und herzliche Menschen sind nur noch selten zu finden.

 

Neufundland und Labrador ist ein Ort, der einem ans Herz rührt und lange in Erinnerung bleibt. Hier einige Tipps, wie Neugierige diese wunderbare Region am besten erleben können.

In einem abgelegenen Haus die Ruhe genießen

Auf einer Veranda eines 100 Jahre alten historischen Hauses auf der Bonavista-Halbinsel sitzen, die salzige Meeresluft einatmen, die über das hohe Gras und den rosafarbenen Klee streicht, dazu ein Gläschen Screech aus der Region genießen, in dem Eiswürfel von einem 10.000 Jahre alten Eisberg schwimmen: Kann es noch authentischer neufundländisch werden? CapeRace Adventures vermittelt Übernachtungen in Privathäusern in Kleinstädten wie Heart’s Delight oder auf der Halbinsel Avalon. Mieter bekommen die die Schlüssel, die Termine und eine Wegbeschreibung (mit Adressen haben es die Einheimischen nicht immer so), über den Rest entscheiden sie selbst. Hin und wieder schaut ein Nachbar vorbei und fragt, worauf die Besucher Lust haben: Ein Ausflug mit einem erfahrenen Fischer? Mitmachen beim Gemeindefest? Oder doch lieber Walderdbeeren sammeln? Alles geht, nichts muss.

Ein Abendessen mit der Gemeinde

Ein Abendessen mit der Gemeinde ist eine tolle Methode, die Einheimischen kennenzulernen und Auswärtige sind bei diesen Veranstaltungen auch immer willkommen. Herauszubekommen, wann wieder so ein Essen stattfindet, ist nicht schwer. Gäste fragen einfach herum oder schauen in die Lokalzeitung. Auf dem Speiseplan steht zumeist ein Jiggs Dinner, ein bodenständiges Gericht aus Wurzeln, Kohl und Rindfleisch. Vielleicht gibt es auch Kabeljauzungen. Normalerweise finden diese Kellerdinner in Gemeindezentren oder Kirchen statt und es werden einfache, aber herzhafte und schmackhafte Gerichte serviert. Nicht selten können Besucher bei diesen Veranstaltungen tolle Mitbringsel für die Daheimgebliebenen kaufen, zum Beispiel selbstgemachte Marmeladen aus Molte- oder Rebhuhnbeeren.

Auf der Jagd nach Tintenfischen

In den Küstenregionen von Neufundland wird das Leben der Menschen vom Meer beherrscht. Im Sommer spielt sich an den Stränden ein spannendes Naturschauspiel ab – das Capelin rolling – wenn Schwärme von Kapelanen zum Laichen an den Strand kommen. Eimerweise können die auch Lodden genannten Fische aus der Familie der Stinte aus dem Wasser geholt und am Lagerfeuer gegrillt werden. Wagemutige suchen sich einen Führer, der sie zum Squid Jiggin’ mit aufs Meer nimmt, also zur Jagd auf Tintenfische.

Küchen-Party mit Live-Musik

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Als „Scuff“ bezeichnet der Neufundländer eine Tanzveranstaltung, die im Haus oder in der Scheune stattfindet. Eine Kitchen Party wiederum ist eine spontane Hausparty mit Live-Musik. Die Gerüchte stimmen: St. John's spielt in der ersten Liga, was Nachtleben und musikalische Unterhaltung anbelangt und das Epizentrum liegt auf der George Street und in den angrenzenden Straßen. Aber es ist schon noch einmal etwas ganz Besonderes, dabei zu sein, wenn sich eine Handvoll Freunde in einer Küche trifft, Geigen, Akkordeons und Mandolinen auspackt, und begleitet von Fußstampfen loslegt mit herzzerreißenden keltischen Weisen und Folkmusik, mit Jigs und Reels. Jeder macht mit, also greifen Besucher selbst zum Löffel und schlagen den Takt. Wenn die Party vorbei ist, beenden die Gäste einen großartigen Abend mit einem Schlummertrunk in der DUSK Ultralounge.

Raus in die Natur

So mancher Besucher wähnt sich bei den grünen Klippen von Cape St. Mary’s auf der Halbinsel Avalon in Irland. Laut ist es hier, denn die Klippen sind die Heimat zahlloser Basstölpel, Lummen und Papageientaucher, die sich wie Sturzkampfbomber ins Meer werfen. In dieser Ecke der Welt ist es wichtig, draußen zu sein, egal wo. Wanderlustige lieben den nebeligen Skerwink Trail bei Trinity durch Felder mit wilder Iris und Wälder voller Schwarzfichten. Irgendwann erreichen sie die Klippen und blicken hinaus auf wie Obelisken aussehende Türme, die als Überbleibsel der letzten Eiszeit aus dem Wasser ragen. Kein Wunder, dass Travel + Leisure den Weg zu den 35 schönsten Wanderwegen in Nordamerika und Europa zählt.

 

Ebenfalls nicht verpassen sollten Besucher die Torngatberge, die aussehen, als wären sie direkt einem Tolkien-Film entsprungen. Der Gros Morne National Park, der Naturpanorama im Breitwandformat bietet, steht dem fantastischen Eindruck in keiner Weise nach. Aber es ist auch schon ein Abenteuer, sich in St. John’s, Nordamerikas ältester Stadt, die Gedenkstätte auf dem Signal Hill anzusehen. Hier fand eine historische Schlacht statt, außerdem lag hier das erste transatlantische Funkkabel. Und der Blick auf die ein- und auslaufenden Schiffe ist auch nicht zu verachten. 

Picknick am Leuchtturm

Ein schönes grünes Fleckchen bei einem Leuchtturm und eine Picknickde>bläst ein Wal oder es treibt ein türkisfarben angehauchter Eisberg vorbei. Ferryland bietet das Ganze in einem Rundum-Sorglos-Paket an, dazu erstklassiges Essen, das man so schnell nicht vergisst: hausgemachte Limonade, mit Chutney glasierter Schinken, Brie-Käse, dünn geschnittene Granny-Smith-Äpfel auf selbst gebackenem Brot, Salat mit essbaren Blumen, Pfirsich-Shortcake und das Ganze in unmittelbarer Nachbarschaft eines Leuchtturms von 1870 auf einer karierten Decke ausgebreitet. Der reinste Traum!

 

Wer einmal The Rock, wie die Einheimischen Neufundland nennen, erlebt hat, kommt gewiss noch ein zweites Mal, denn das ungefilterte und einfache Leben dort übt seinen ganz eigenen Reiz aus. Außerdem gibt es so viel zu sehen und zu erleben, dass ein einziger Besuch kaum reicht. Also bis bald bei einer Kitchen Party!

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