Québec: Meister des guten Geschmacks

Alexa Christ
Alexa Christ
Alexa Christ ist im Hauptberuf Journalistin, Moderatorin und Sprecherin.

Von seiner köstlichsten Seite zeigt sich Québec ganz im Südosten: Die Region Cantons de l´Est ist ein Eldorado für Gourmets und all jene, die im Urlaub gern auf Genussreise gehen. Aber Vorsicht: Es herrscht absolute Suchtgefahr!

 

Das Schlaraffenland liegt nur eine Autostunde von Montréal entfernt, zwischen sanften grünen Hügeln, stillen Seen und kleinen Dörfern. In diesem ländlichen Paradies, das früher den Namen Eastern Townships trug, schlossen sich jüngst Landwirte, Winzer und andere Produzenten zu den sogenannten Créateurs de saveurs zusammen: den Herstellern guten Geschmacks. Die Créateurs de saveurs haben sich auf regionale Erzeugnisse spezialisiert. Martin Bolduc ist einer von ihnen. Er lebt in Compton. Hier produziert er einen der besten Käse Kanadas. „Vor zwölf Jahren experimentierte meine Mutter Carole mit der Milch, die auf unserem Hof erzeugt wurde“, erzählt Martin Bolduc. „Sie stellte ihren ersten Käse her. Zunächst nur für unseren eigenen Bedarf.“ Heute fließt die gesamte Milch aus eigener Erzeugung des Familienbetriebs in die Käseherstellung. Aushängeschild ist der Käse “Alfred Le Fermier”, benannt nach dem Urgroßvater, der den Hof im Jahr 1927 gründete. Der Rohmilchkäse mit leicht nussiger Karamellnote gewann 2009 den prestigeträchtigen Canadian Cheese Award. Allein in der Provinz Québec werden gut 350 verschiedene Käsesorten hergestellt.

Käse von La Station in Compton: Québec ist berühmt für seine Käseproduktion. Foto: Alexa Christ

Ein paar Kilometer von der Käserei der Bolducs entfernt bedecken violette Blütenteppiche die grasgrüne Landschaft. Der betörende Duft von Lavendel erfüllt die Luft. Bleu Lavande heißt das hier ansässige Unternehmen, das neben Kosmetik auch kulinarische Produkte mit Lavendelzusatz herstellt: Schokolade, Honig, Gewürzmischungen und Vinaigrette mit Lavendelnote. Eine mutige Geschäftsidee, sinken die Temperaturen in diesem Teil Kanadas im Winter doch mitunter bis minus 40 Grad. Doch die frostigen Temperaturen können den Pflanzen nichts anhaben. Im Gegenteil! Sie sind eines der Geheimnisse der Köstlichkeiten aus Kanada. Nicht nur des Lavendels, auch der Weinreben. „Im Frühling glauben Besucher immer, dass wir unsere komplette Weinlese vergessen könnten, aber dann wachsen die Trauben schnell und kraftvoll“, erzählt Maryse Blanchard, Marketingmanagerin des größten Weinguts der Region, dem ‚L’Orpailleur‘ in Dunham. Aus den Trauben werden Eisweine keltert. Auch der Ice Cider, eine Art Eiswein – nicht aus Trauben, sondern aus Äpfeln – ist eine Spezialität Québecs. Leicht moussierend, von angenehmer Süße und dennoch spritziger Säure. Bei der Domaine Pinnacle in Frelighsburg oder bei Michel Jodoin in der benachbarten Montérégie ist der Ice Cider zu kosten.

Michel Jodoin mit seinem Ice Cider. Foto: Alexa Christ
Lavendelfarm Bleu Lavande bei Stanstead in den Cantons de l´Est. Foto: Alexa Christ
DerStoff, aus dem der Ice Cider stammt. Foto: Alexa Christ

Am malerischen Brome Lake vertreibt Canards du Lac Brome, ebenfalls ein “Créateur de saveurs”, zartes Entenfleisch, und zwar in Form etlicher Patés und Rilettes. Das berühmte Foie Gras darf ebenfalls nicht fehlen. Der französische Einfluss ist unverkennbar. Wer hervorragend speisen will, muss längst nicht mehr in die großen Städte fahren, auch auf dem Land kann man genießen. In Sherbrooke zum Beispiel, der Hauptstadt der Cantons de l`Est, hat der berühmte kanadische Fernsehkoch Danny St. Pierre das Restaurant Auguste eröffnet und verwöhnt seitdem die Provinz mit lauwarmem Rindfleischsalat, Forellentartar, grünem Ketchup oder Kürbisfleisch-Ravioli. Die kulinarischen Genüsse kann man übrigens ideal mit Freiluftaktivitäten verknüpfen. In der Region, die vor allem im Indian Summer in leuchtenden Farben brilliert, stehen allein 500 Kilometer Radwege zur Verfügung. Wanderer nutzen die Routen der Sentiers de l’Estrie, die auf insgesamt 150 Kilometern atemberaubende Ausblicke über Wälder, Seen, Apfelfelder und Weinberge bieten. Vor rund 200 Jahren entstanden in diesem Landstrich überdachte Brücken, Rundscheunen, Kirchen und malerische Häuschen, in denen heute noch charmante Gemischtwaren- und Antiquitätenläden zu finden sind. Ein Landstrich zum Verweilen, Stöbern, Entschleunigen und vor allem zum Genießen – ein Schlaraffenland eben.

Seepromenade in North Hatley. Foto: Alexa Christ
Die Antiquitätengeschäfte in den kleinen Orten der Cantons sind wahren Fundgruben. Foto: Alexa Christ

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