Was könnte kanadischer sein als ein Trip im Kanu oder Kajak? Doch jetzt, wo der Wind uns unerbittlich gegen die Felsen des Parc national du Bic (Québec) drückt, haben wir andere Prioritäten. Wir paddeln die Kajaks, bis die Arme lang werden. Fluchend versuchen wir, unsere sitzende Tätigkeit in ein positives Verhältnis zu der nun umständehalber erheblich höheren Schlagzahl zu bringen. Am Ende schaffen wir es meterweise aus der Gefahrenzone heraus. Kaum zu glauben, dass es hier Leute gibt, die den hier gut 80 Kilometer breiten St.-Lorenz-Strom einfach so zum Spaß überqueren! Wie sagte der Kajakverleiher? “Ist nicht gefährlich da draußen! Passt nur ein bisschen auf die Wale auf. Wenn die übermütig sind, herrscht schon mal hoher Seegang!”

Kajak mit Eisberg: Eine Paddeltour zu den weißen Giganten hinterlässt bleibende Eindrücke.

Kanada kann Kanu …

 

Kanus und Kajaks sind Kanadas traditionelle Fortbewegungsmittel. Hunderte uralter Kanurouten durchziehen das Land. Später benutzten sie die Pelzhändler, um von den Städten im Osten zu den Seen im Nordwesten zu gelangen. Ihre Nachfahren paddeln nicht mehr ganz so weit: Am Wochenende packen die Großstädter ihre Kanus aufs Autodach und nehmen Kurs auf die Seen und Flüssen im Norden. Man könnte also guten Gewissens sagen, dass den Kanadiern der Umgang mit dem Paddel im Blut liegt. Es gibt sogar ein Museum, das sich ausschließlich mit diesen landestypischen Wasserfahrzeugen beschäftigt: das grandiose Canadian Canoe Museum in Peterborough (Ontario)!

Die Sonne scheint, die Paddel warten: Ein perfekter Kanutag.
Über spiegelglatte Seen gleiten: Das Kanu ist das perfekte Wasserfahrzeug.
Shooting the Rapids: Es gibt nicht schöneres, als im Kanu durch die Wellen zu reiten.

… und Kajak

Kanada vom Wasser aus zu sehen, hat seinen ganz besonderen Reiz. In der Bay of Fundy kann man den höchsten Tidenhub der Welt erleben, in Neufundland Eisberge umpaddeln. In OntarioManitoba und den Northwest Territories kann man im Kielwasser der alten Pelzhändler historische Flüsse bereisen, während man in Prince Edward Island gemütlich von B&B zu B&B paddelt und statt Steaks vom Lagerfeuer Hummer und Riesling bei Kerzenlicht genießt. Es gibt Kanurouten mit Klasse-4-Stromschnellen ebenso wie Flüsse mit kaum sichtbarer Strömung. Wer als Anfänger von einem Kanuabenteuer träumt, kann sich an einer der vielen auf Paddel- und Raftingtrips spezialisierten kanadischen Anbieter wenden. Soper, Snake, South Nahanni, Bloodvein, Thelon, Tatshenshini, Coppermine: Allein die Liste der traumhaften Paddelflüsse in den endlosen, menschenleeren Weiten des kanadischen Nordens ist lang!

Ausfahrt bei Sonnenuntergang: Das Steak über dem Lagerfeuer war klasse. Was gibt es nun schöneres, als noch eine Runde auf dem See zu drehen?
Wildwasser: Das Navigieren durch Stromschnellen und Kehrwasser will gelernt sein.

Mit den größten Säugetieren der Welt auf Augenhöhe

Wie gesagt, für etwas anderes haben wir an diesem Tag auf dem St.-Lorenz-Strom keine Zeit. Als wir uns aus der Gefahrenzone gekämpft haben, atmen wir tief durch und lassen uns treiben. Felseneilande ziehen vorbei, manche mit Kormoranen, andere mit Seehundkolonien darauf. Die Sonne steht schon tief, als wir Kurs auf die offene See nehmen. Der Wind ist nun abgeflaut, der St.-Lorenz-Strom spiegelglatt. Und da passiert´s: Keine 50 Meter entfernt, taucht bei drei Uhr ein massiger Rücken auf. Dann noch einer und noch einer. Die drei Buckelwale ziehen langsam stromabwärts. Ihre nassen Rücken funkeln in der Abendsonne. Wir hören auf zu paddeln und genießen die Begegnung aus Leibeskräften. Wir wissen: Solch ein Geschenk erhält man nicht alle Tage.

Seakayaking: Begegnungen der unvergesslichen Art.

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