Damit die Unesco etwas in die Liste der Weltkulturerbe-Stätten aufnimmt, muss es sich schon um einen einzigartigen Ort handeln, der weite Umwege lohnt. In Neufundland und Labrador finden sich gleich vier von Kanadas achtzehn auf diese Weise ausgezeichneten Orten. Jeder ist kulturell und naturhistorisch von überragender Bedeutung und gehört definitiv auf die Liste der Must-Sees der Region.

 

Mistaken Point Ecological Reserve

Es ist der jüngste Neuzugang unter den Weltkulturerbe-Orten von Neufundland und Labrador. 2016 nahm die Unesco Mistaken Point auf der Halbinsel Avalon in die Liste auf. In Mistaken Point findet sich ein 565 Millionen Jahre alter Meeresboden, der Fossilien der sogenannten Ediacara-Fauna beherbergt. Kamera nicht vergessen, denn dort gibt es die die ältesten uns bekannten Spuren mehrzelliger Lebensformen zu sehen!

 

Entlang der unglaublich beeindruckenden Küste stoßen Besucher auf diese Überbleibsel aus der Urgeschichte unseres Planeten. Die Fossilien sind perfekt erhalten, was auch daran liegt, dass der Zugang zu den Fundstätten nur in Begleitung von Fachpersonal erlaubt ist.

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Neufundland ist ein Mekka für Fans schrulliger Ortsnamen und das trifft auch auf Mistaken Point zu. Der Name geht darauf zurück, dass Seeleute die Landspitze während nebeliger Abende oftmals mit dem nahegelegenen Cape Race verwechselten. In dem Glauben, bald in den Hafen von Cape Race einzulaufen, setzten sie einen nördlichen Kurs – und krachten gegen die Felsen.

 

Red Bay National Historic Site

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2013 wurde die baskische Walfängerstation von Red Bay zu Kanadas Weltkulturerbe Nummer 17 gekürt. Gran Baya nannten die baskischen Fischer, die hier als erste Walfang betrieben, diesen Ort. Nirgendwo sonst sind die Anfänge dieser Industrie so gut erhalten, bis hin zu 15 Öfen zur Gewinnung des Walöls und einem Friedhof mit den Überresten von 140 baskischen Walfängern.

 

Im historischen Teil von Red Bay stehen zahlreiche mit Schindeln bedeckte Häuser an den Landspitzen - dahinter treiben das ganze Jahr über immer wieder Eisberge vorbei. Ein ausgesprochen attraktives Kameramotiv! Red Bay ist mit einer reichen Historie gesegnet und Besucher können viel über das Leben der baskischen Walfänger im 16. Jahrhundert erfahren.

Die Artefakte der Basken sind von unbezahlbarem Wert, aber längst nicht das einzige, was dieser Flecken zu bieten hat. Im flachen Wasser vor Red Bay finden sich weitere archäologische Schätze. Hier liegt das älteste je in kanadischen Gewässern gefundene Wrack, die 450 Jahre alte San Juan. Die 250 Tonnen schwere Galeone sank im Herbst 1565 während eines Sturms in der Meerenge von Belle Isle.

 

Gros Morne National Park

Zwei Weltkulturerbe-Stätten liegen hier an der Westküste Neufundlands und verbunden werden sie durch den Viking Trail, den Wikingerpfad. Gros Morne National Park ist eine der Stätten und hat sich die Ehre verdient, weil die Landschaft ein selten schönes Beispiel für die Kontinentaldrift ist. Das Aufeinanderprallen von Kontinenten und Gletschern hat hier die Topographie nachhaltig beeinflusst.

 

Gewaltige Berge schrauben sich über Stränden in die Höhe, am Fuß der Giganten erstrecken sich Wälder voller Elche und Karibus. Von Western Brook Pond aus geht eine beeindruckende Bootstour in die hoch aufragenden Fjorde und entlang der Wasserfälle, die blanke Klippen hinabstürzen. Wer lieber aktiv sein möchte und entsprechende Kondition mitbringt absolviert den 16 Kilometer langen Rundweg zur Spitze des Gros Morne Mountain. Entlang der Strecke gibt es mit etwas Glück wilde Tiere zu sehen.

Auf keinen Fall verpassen sollten Besucher die weltberühmten Tablelands, die eine halbe Milliarde Jahre alt sind. Hier entdeckten Geologen den Beweis für ihre Theorie der Plattentektonik. Die felsige Landschaft besteht aus Peridotit, einem Material aus dem Erdmantel, das vor Äonen während heftiger geologischer Umbrüche an die Erdoberfläche geschleudert wurde. Peridotit ist giftig für Pflanzen, was dazu führt, dass die Tablelands eine extrem karge, aber auf unheimliche Weise gleichzeitig sehr schöne Landschaft bieten, die im Laufe der Jahrmillionen von Gletschern zurechtgeschliffen wurde.

 

An den am Meer gelegenen Städten und Dörfern gibt es erstaunlich viele kulturelle Sehenswürdigkeiten zu bestaunen. Woody Point beispielsweise ist eine künstlerische Hochburg und lockt schon seit Jahren durch seine ausgefallene und inspirierende Schönheit Künstler und Autoren an.

 

L'Anse aux Meadows National Historic Site

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Hier geht es auf eine Zeitreise, handelt es sich doch um die erste und einzige bestätigte Nordmann-Siedlung in ganz Nordamerika. Das heißt nichts anderes, als dass hier vor vielen Jahrhunderten einmal Wikinger ihren Fuß auf den Boden setzten. Um das Jahr 1000 herum segelten die Nordmänner von Grönland aus zur Küste der Great Northern Peninsula von Neufundland und ließen sich in dieser Region mit ihren wilden Klippen nieder.

 

Echte Wikinger sind an diesem Ort mittlerweile recht selten geworden, aber stilecht kostümierte Tourguides führen durch das nachgebaute Basislager, erzählen von der damaligen Zeit und erwecken die Ruinen und die Original-Artefakte zum Leben. Besucher lernen die Geschichte von Snorri kennen, dem ersten europäischen Kind, das in der Neuen Welt geboren wurde, und hören die abenteuerlichen Geschichten der Wikinger, die bereits mehr als fünf Jahrhunderte bevor Christoph Kolumbus überhaupt erst von Spanien in die Karibik aufbrach dank ihrer überragenden nautischen Fähigkeiten die Küste Nordamerikas erforschten.

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L’Anse aux Meadows ist eine archäologische Stätte von Weltrang und wer nach einem Besuch dort noch nicht genug von den Wikingern hat, muss nur etwa zwei Kilometer weiter fahren nach Norstead. Dort wurde sehr aufwändig ein Wikingerhafen aus dem 11. Jahrhundert nachgebaut, Gäste können zudem an Wikingerspielen teilnehmen oder die Snorri erkunden, den Nachbau eines Drachenboots.

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