Montréal: Von Kultlokalen und Céline

@TQ, Vlan Communication
@TQ, Vlan Communication
Bernhard berichtet für Zeitungen und Magazine, den ARD-Hörfunk sowie für sein Skireise-Magazin.

Kanada ist ein Ziel für Genießer! Ganz besonders Montréal. In der Metropole der Provinz Québec weiß man das Leben auszukosten. Die stark französisch geprägte Stadt ist die Hochburg des Savoir-vivre. Gourmets finden unzählige Feinkostläden, Märkte, Bistros, Cafés, Top-Restaurants und Kultlokale – wie das “Schwartz’s”.

 

Wann waren Sie zuletzt bei Céline Dion zum Essen? Montréaler kommen regelmäßig in diesen Genuss. Zugegeben – die wenigsten saßen bislang bei der Sängerin zu Hause am Tisch, aber viele ganz bestimmt schon in ihrem Restaurant. Zusammen mit ihrem Mann René Angélil ist Dion Besitzerin des berühmtesten Kultlokals von Montréal. Das “Schwartz’s” ist eine Institution in der Stadt, in der mehr über Essen und Trinken gesprochen wird als in jeder anderen kanadischen Metropole. Montréal ist das Zentrum des kanadischen Savoir-vivre und “Schwartz’s” ist ein Teil davon.

Objekt der Begierde: Ein Smoke Meat Sandwich von Schwartz's. Foto: Bernhard Krieger
45 Minuten Wartezeit vor Monréals Kultlokal Schwatzs´ sind ganz normal! Foto: Bernhard Krieger

Tagtäglich bilden sich lange Warteschlangen vor dem winzigen Lokal am St-Laurent Boulevard. „45 Minuten muss man warten, bis man einen der wenigen Plätze ergattert“, erzählt Städte-Guide Ruby. Aber das Warten lohnt sich – trotz der Enge, des enormen Geräuschpegels und der schlichten Einrichtung des Lokals. „Das ‚Schwartz’s‘ serviert nun mal das beste Smoke-Meat-Sandwich der Welt“, sagt Ruby. Und das schon seit 1928. Damals eröffnete der aus Rumänien stammende Jude Reuben Schwartz das Lokal, in dem sich seither wenig verändert hat. Wie eh und je wird das Fleisch im “Schwartz’s” mit Hingabe verarbeitet und traditionell mit Gurken und Senf serviert.

In Montreals Altstadt reiht sich ein Restaurant an das andere. Foto: @TQ, CECILE

„Erst wird das Fleisch zehn Tage lang mariniert, dann geräuchert und schließlich noch einmal drei bis vier Stunden gedämpft“, erklärt einer der Kellner. Wie genau geräuchert wird und welche Gewürze und Kräuter in der Marinade zum Einsatz kommen, verrät er nicht. Da müsste man wohl mal Céline Dion fragen. 2012 übernahm sie das Kultlokal. „Wir haben so viele großartige Erinnerungen an die vielen Restaurantbesuche mit unserer Familie“, erzählt Céline Dions Mann über die Beweggründe. ‚Schwartz’s‘ sei einfach „das einzigartigste Restaurant der Welt“.

Beeren in aller Art auf dem Marché Jean Talon. Foto: Bernhard Krieger
Montréal Marché Jean Talon, Gemüse. Foto: ©TQ, Turgeon

Einmalig ist das Lokal wirklich, das einzige Kultlokal in Montréal ist es aber längst nicht. Die Montréaler genießen das Leben und dazu gehört für sie gutes Essen – in den Dutzenden Top-Restaurants der Stadt. Kein Wunder, dass in der Altstadt rund um die Basilika Notre-Dame, genauso wie in allen anderen Stadtvierteln der Metropole am Lorenz-Strom, an fast jeder Ecke ein Feinkostladen, ein Bäcker oder Weinhändler zu finden ist. „Kanadier geben im Durchschnitt 11 Prozent ihres Einkommens für Essen aus, wir in Montréal dagegen beinahe doppelt so viel“, berichtet unser Guide Ruby. „Wir genießen das Leben. Dazu gehört natürlich auch einmal ein Gläschen Wein“, meint sie. Dass es in Montréal nicht bei einem bleiben muss, zeigt ein Blick in die Statistik: Auf die Provinz Québec entfallen 50 Prozent des Rotwein-Konsums von ganz Kanada. Neben Rotwein lieben die Montréaler vor allem ihren Apfel-Eiswein. Dieser spezielle Cidre passt perfekt zu Käse, und davon hat Québec im Überfluss. 66 Prozent der gesamten Käseproduktion Kanadas stammen aus der Region. Über 320 verschiedene Käsesorten werden allein in Québec produziert. Oft von kleinen Familienbetrieben, die ihre traditionelle Herstellungsweise von Generation zu Generation weitergegeben.

Meeresfrüchte. Foto: ©TQ, Cécile

Die kulinarische Vielfalt und die Qualität der meist ganz in der Nähe angebauten und produzierten Erzeugnisse sind einige der Gründe, warum Montréal so attraktiv ist. Die zweitgrößte Stadt Kanadas wächst kontinuierlich und damit auch das Angebot an Sport, Kunst und Kultur. Das berühmte Jazz-Festival oder das jährliche Formel-1-Rennen auf dem Stadtkurs, auf der Île de Notre-Dame zählen zu den Highlights im Event-Kalender der Stadt. Es gibt viele Gründe für einen Besuch in Montréal, Genießer wie Ruby, die in Nordamerika gerne „Foodies“ genannt werden, reicht schon ein einziger: das Savoir-vivre der Montréaler. Für Foodies ist ein Besuch in Montréal purer Genuss und unvergesslich – erst recht, wenn man ganz großes Glück hat und plötzlich unverhofft im “Schwartz’s” neben Céline Dion sitzt.

Montréal, seit langem eine Gourmet-Bastion in Nordamerika. Foto: @TQ, Cécile

Related Posts