Kaum jemand würde auf die Idee kommen, die kanadische Wildnis mit einer Stadt zu vergleichen.  Doch auf Yellowknife trifft genau das zu. Die abgelegene Provinzhauptstadt der Northwest Territories liegt inmitten der Tundra und bietet dennoch alles, was von einer Großstadt erwartet wird: Bars, Restaurants, Shopping, Musikkneipen und Museen. Unser Reiseführer zeigt euch die Hot Spots der alten Goldrausch-Stadt:

The Rock, Aussichtspunkt über Yellowknife

Summer in the City

Die Sommernächte in Yellowknife sind lang. Wozu früh ins Bett gehen, wenn das Licht der Mitternachtssonne bis in die frühen Morgenstunden scheint?

Mit dem Folk on the Rocks Festival steigt die größte Sommerparty der Stadt. Auf insgesamt sechs Bühnen, quer durch Yellowknife verteilt, spielen die besten Musiker, die der raue Norden zu bieten hat. Beim Old Town Ramble and Ride verwandelt sich die Altstadt zur einer einzigen Open Air Bühne.

Viele der original erhaltenen Gebäude aus den späten 1930er Jahren erinnern an die Zeit, als die Stadt den Goldrausch erlebte und Scharen von Goldgräbern auf der Suche nach dem großen Glück in den Norden kamen. Die beste Aussicht auf die Old Town habt ihr von The Rock, einem großen Felsen, auf dem sich das Buschpiloten-Monument befindet. Dieses Mahnmal erinnert an all die wagemutigen Piloten, die von ihren Flügen unter schwersten Bedingungen und bei extremer Wetterlage nicht mehr zurückkehrten.

Wer sich für einheimische Kunst interessiert, der findet bei einem Spaziergang auf dem Artswalk viele kleine Kunstgalerien, die Bilder, Skulpturen und Schnitzereien ausstellen und verkaufen. 

Hausboote auf dem Great Slave Lake. Foto: Asymetric/Jason Van Bruggen

Möchtet ihr die Stadt auf eigene Faust kennenlernen? Dann mietet euch am besten beim Northern Frontier Visitors’ Centre ein Fahrrad. Diejenigen, die es etwas sportlicher mögen, schnüren sich die Jogging-Schuhe und laufen eine Runde entlang des Frame Lake, der sich inmitten des Stadtzentrums befindet. Unter Einheimischen ist der acht Kilometer lange Rundkurs ein sehr beliebter Spazierweg. Unterwegs bieten sich viele Plätze zum Picknicken an.

Die vielen bunten Hausboote auf dem Great Slave Lake erkundet ihr am besten mit einem gemieteten Kanu oder Kajak. Der See eignet sich auch hervorragend zum Angeln. Wer Seeforellen und Hechte an Land ziehen möchte, um sie anschließend fangfrisch zu grillen, bucht eine Bootstour bei einem der örtlichen Veranstalter.

Nach einem ereignisreichen Tag voller Outdoor-Aktivitäten habt ihr die Qual der Wahl: Yellowknife steht, was Kulinarik betrifft, den großen Städten in nichts nach. Ob japanisch, koreanisch oder äthiopisch, hier findet jeder das passende Gericht für seinen Gaumen.

Ein absolutes Muss ist in Yellowknife ein Abstecher ins Wild Cat Café, das älteste Restaurant der Stadt. Eröffnet wurde es 1937 als kleines Café, mitten im Trubel der Minencamps. Die inzwischen liebevoll restaurierte kleine Blockhütte steht noch immer in der Old Town und wie anno dazumal gibt es Bison-Stew, geräucherten Saibling oder Chicken Cordon Bleu Burger und natürlich Live-Musik.

Wer es eleganter mag, reserviert sich einen Tisch im The Lodge at the Village oder in der Twist Resto-Lounge, bevor es zum Tanzen in einen der Clubs in Downtown geht.

Für alle die lieber selbst kochen bietet der wöchentliche Farmers Market eine riesige Auswahl an frischem Gemüse und Fleisch. Dort gibt’s auch fangfrischen Fisch aus dem Great Slave Lake, den ihr -  genau wie die Locals - am besten auf einem der vielen Grillplätze direkt am Seeufer grillt.

Yellowknife im Winter - Foto: Blachford Lake Lodge/Martina Gebrovska

Winter in the City

Da gibt es nichts zu verharmlosen: Die Winter in Yellowknife sind richtig kalt. Kein Grund jedoch, auf Outdoor-Aktivitäten zu verzichten. Schnappt euch einen Winterparka und ab in die Stadt. Hier erwarten euch dieselben Bars und Restaurants wie im Sommer. Mit einem kleinen Unterschied: Im Winter geht’s drinnen ein bisschen enger und lebhafter zu.

Der Winter ist auch die ideale Jahreszeit, um sich in den vielen kulturellen Einrichtungen umzusehen. Zum Beispiel im Prince of Wales Northern Heritage Centre, das ein umfassendes historisches Archiv der Geschichte und der kulturellen Entwicklung der Northwest Territories beherbergt. Wer sich für die Geschichte der Dene und Inuit, die Zeit des Goldrausches und der europäischen Entdecker interessiert, der wird hier sicher viele Stunden verbringen.

Das Yellowknife Legislative Assembly. Foto: Asymetric/Jason Van Bruggen

Das Yellowknife Legislative Assembly der Northwest Territories beeindruckt Besucher mit einzigartigen Kunstwerken der Ureinwohner. Das Regierungsgebäude, welches sich direkt am Ufer des Frame Lake befindet, könnt ihr bei einer Tour besichtigen.

Yellowknife feiert gerne. Und deshalb locken auch im kalten Winter einige Festivals. Alljährlich im März findet an der Yellowknife Bay das Snow King Festival in einem aus Eis und Schnee erbauten Schloss statt. In und um das Märchenschloss gibt es Konzerte, Kunstdarstellungen und jede Menge Partys.

Ebenfalls im März steigt an gleicher Stelle das Long John Jaboree. Das Festival zieht die besten Eisschnitzer des Nordens in die Stadt, die sich bei der Anfertigung fantasievoller Eisfiguren gegenseitig zu übertreffen versuchen. Zudem sorgen Hundeschlittenrennen, Hundemodeschauen und Live-Musik für Abwechslung.

Und wer meint, in den Northwest Territories ist Angeln nur im Sommer möglich, der sollte sich zum Great Slave Lake aufmachen. Dort treffen sich die Einheimischen zum Eisfischen. Oder werdet selbst aktiv und erkundet die Gegend auf Langlaufskiern, mit dem Motorschlitten oder – und das ist im hohen Norden fast schon obligatorisch – mit dem Hundeschlitten.

Ihr wolltet euch schon immer einmal wie die legendären Ice Road Truckers fühlen? Dann ist eine Fahrt mit dem Auto von Yellowknife aus auf einer der zugefrorenen Straßen genau das Richtige. 

Die Polarlichter an der Blatchford Lake Lodge - Foto: Tessa MacIntosh

Und was wären die Northwest Territories ohne die Polarlichter? Yellowknife ist nicht nur die Provinzhauptstadt, sie ist gleichzeitig auch Nordamerikas Hauptstadt der tanzenden Lichter. Eine Reise nach Yellowknife ist erst dann wirklich vollkommen, wenn ihr mindestens eine Nacht lang dem spektakulären Himmelsschauspiel zugesehen habt. Zwischen Januar und März gibt es weltweit keinen besseren Platz, von wo aus man die hellen roten, blauen, grünen und gelben Lichtschleier über den Himmel huschen sehen kann.

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