Wild, atemberaubend und grenzenlos erstreckt sich Manitoba über beinahe endlose Weiten.

Höhenkrank wird in Manitoba keiner, aber das soll nicht heißen, dass Wandern in der Provinz langweilig ist. Ganz im Gegenteil. Mutter Natur hat sich ordentlich ins Zeug gelegt und präsentiert Landschaft im XXL-Format, die den Atem auf andere Weise raubt als durch Höhenmeter. Hier liegt dem Wanderer das Panorama zu Füßen: Prärie mit hohem Wildgras, sanfte, bewaldete Hügel, geschwungene Flusstäler, große Feuchtgebiete und gelegentliche Steilhänge mit Panorama-Blick. Und damit nicht genug der Abwechslung – es gibt zahllose Seen und Flüsse mit Granit- und Kalksteinnasen, die idyllisch zwischen großen, dichten Laub- und Nadelwäldern liegen.

 

Auf diesen sechs Wanderwegen können Naturliebhaber die Wildnis Manitobas von der besten Seite kennenlernen.

 

Mantario Trail

Strecke: 66 Kilometer oder nur den ersten Abschnitt (drei bis fünf Tage oder eine Tageswanderung von bis zu sechs Stunden)

Der Mantario Trail im Whiteshell Provincial Park verläuft über 66 Kilometer nordwärts entlang der Grenze von Manitoba zu Ontario. Die Strecke ist definitiv kein Zuckerschlecken und auch erfahrene Backpacker sind hier drei bis fünf Tage unterwegs. Die wilde Schönheit der Strecke können Wanderer bereits auf einem Tagesmarsch entlang des ersten Abschnitts kennenlernen. Vom südlichen Ausgangspunkt an der Provincial Road 312 bei Caddy Lake führt die Route durch wilde Täler voller Espen, Banks-Kiefern und Fichten. Über den Whiteshell River geht es über eine Fußgängerbrücke, zudem werden zwei Eisenbahngleise gekreuzt. Vorsicht, beide sind noch in Betrieb!

 

Spirit Sands und Devil’s Punchbowl

Strecke: vier bis elf Kilometer (1,5 bis 4,5 Stunden)

Zwei Stunden westlich von Winnipeg liegt der Spruce Woods Provincial Park mit seinen Kieferwäldern und borealem Nadelwald, grasbewachsenen Hügeln und dem sich schlängelnden Assiniboine-Fluss. Der Hauptwanderweg ist perfekt für Familien geeignet und bietet Panoramablicke auf den Devil’s Punch Bowl, einen einzigartigen kraterförmigen See in der Nähe des Assiniboine. Auf dem Rückweg führt der Weg durch Wälder aus Weiß-Fichten, Eichen und Espen sowie durch Mischgras-Prärie. Eine geologische Besonderheit sind die 30 Meter hohen Sanddünen. Für die First-Nations-Stämme der Cree waren die Dünen früher eine heilige Stätte, mittlerweile wird die als Spirit Sands bekannte Wüstenlandschaft immer mehr vom Wald verdrängt.

 

Disappearing Lakes Interpretive Trail

Strecke: 1,5 Kilometer (eine Stunde)

A post shared by Ashleigh (@ashleigherica) on

Im Südwesten Manitobas an der Grenze zu den USA liegt der Turtle Mountain Provincial Park. Die wenig frequentierten Wanderwege bieten sich für schöne Tagestouren an. In einer Art Prärie-Oase gibt’s Espenwälder und flache Seen zu bestaunen, die 200 Meter oberhalb der Prärielandschaft liegen. Durch die Wälder und Wiesen ziehen sich Pfade, auf denen auch Elche unterwegs sind. Stille Sümpfe und Marschen überqueren Wanderer auf hölzernen Stegen. Nicht selten bekommen sie dabei die zu den Kormoranen zählenden Ohrenscharben zu Gesicht.

 

Von Pisew Falls zum Kwasitchewan Falls Trail

Strecke: 22 Kilometer (sechs bis acht Stunden)

A post shared by Soroosh (@soroosh.de) on

Dieser Wanderweg liegt im Norden Manitobas, und zwar 70 Kilometer südlich des Städtchens Thompson am Rand des Provincial Highway 6. Er führt von den Pisew-Fällen nordwärts um den Grass-Fluss herum zu Manitobas höchstem Wasserfall, den 14,2 Meter hohen Kwasitchewan Falls. Bei den Pisew-Fällen stürzt der Grass-Fluss schlagartig 13 Meter abwärts, wechselt die Richtung und rauscht donnernd eine Schlucht hinab. Hier beginnt der Wanderweg und folgt der Wasserstraße, die Ende des 18. Jahrhunderts eine wichtige Rolle im Pelzhandel spielte. Fichten, Kiefern, Ostamerikanische Lärchen und Pappeln bieten hier dem Tierleben des Nordens Schatten. Wer möchte, kann am anderen Ende des Wanderwegs auf den rustikalen Zeltplätzen übernachten.

 

Grey Owl Trail

Strecke: 17 Kilometer (fünf Stunden)

Der Grey Owl Trail führt zu der Hütte des berühmten kanadischen Naturforschers Grey Owl am Beaver Lake. 1931 lebte er dort sechs Monate lang im Riding Mountain National Park zusammen mit seinen Haustieren, den Bibern Rawhide und Jelly Roll. Er war der erste Naturforscher überhaupt, der von Kanadas Nationalparks unter Vertrag genommen wurde. Der Wanderweg führt durch ruhige Wälder mit Espen, Balsambäumen, Pappeln, Banks-Kiefern und Weiß-Fichten, entlang Sümpfen und Marschgebieten, wo Biber, Bisamratten, Elche und jede Menge Wasservögel leben. Abends lassen sich hier Kojoten und Weißwedelhirsche beobachten.

 

Hecla Island Trails

Strecke: Zwischen einem und 25 Kilometern (bis zu acht Stunden)

Hecla Island erreichen Besucher über einen Damm, der vom Provincial Highway 8 abzweigt. Die Insel ist die größte Attraktion im Hecla/Grindstone Provincial Park und an einem Tag lassen sich hier bequem zwei sehr unterschiedliche Wanderwege absolvieren. Der Hecla Village Self-Guiding Trail zeigt die Geschichte dieser kleinen Siedlung am See. Zwischenstopps empfehlen sich an den jahrhundertealten Eishäusern des Dorfs, der Sägemühle, der Fischstation am Dock, dem Gemischtwarenladen sowie dem modernen Museum. Am Grassy Narrows Marsh gibt’s erstklassige Möglichkeiten zum Birdwatching. Das verzweigte Wegenetz bietet Stege und Verstecke, von wo aus Pelikane, Seemöwen, Falken, Seetaucher, Rotschulterstärlinge und Weißkopfseeadler beobachtet werden können. Nicht weit von der Hauptstraße entfernt lädt ein Beobachtungsturm dazu ein, nach Elchen oder einem Wolf Ausschau zu halten.

Related Posts